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sunclockkl Förderkreis Sonnenuhr AB e.V.

Denkschrift zur Sonnenuhr

( Februar 2004, von Siegfried Müller)

Der Astronomische Arbeitskreis und die Altstadtfreunde freuen sich darüber, dass die Anregung der Aschaffenburger Astronomiebegeisterten, den Theaterplatz mit einer Sonnenuhr zu bereichern, auf fruchtbaren Boden gefallen ist. In der letzten Sitzung des Projektbeirats wurde darauf hingewiesen, dass es eine Vielzahl von Parametern für die Konstruktion einer Sonnenuhr gibt. Sie könnten untersucht werden, um die Entscheidung über eine Auswahl fundiert treffen zu können.

Die Unterzeichneten empfehlen, die Untersuchung auf ausgewählte Ziele zu beschränken – dies nicht nur aus Gründen der Arbeitsökonomie. Das vom Astronomischen Arbeitskreis eingebrachte Modell (antikes Liniensystem, ergänzt durch die Analemma und ein „12-Uhr-Ereignis“ wurde aus guten Gründen entwickelt. Sie liegen vor allem in den lokalen Bezügen, aber auch in einem hohen Grad von Einmaligkeit und der Nutzung durch Stadtmarketing und Führungsnetz. An diese Überlegungen möchten wir erinnern.

I. Liniensystem als Anknüpfung an die Antike

Der Astronomische Arbeitskreis hat für seine Überlegungen eine Vielzahl von Typen und Anzeigen in Erwägung gezogen und durchgerechnet, denen allerdings der Bezug auf die Aschaffenburger Situation fehlt. Die Bedeutung des vom Arbeitskreis vorgeschlagenen Liniensystems liegt in der originellen Beziehung zum Pompejanum und Aschaffenburg.

Auch die Altstadtfreunde sehen in einer Anknüpfung an die Antike eine Ergänzung der historischen Zeugnisse von Pompejanum und Korkmodellsammlung. Eine solche Ergänzung soll daher die Liniensysteme der Augustäischen bzw. der in Pompeji (s. Pompejanum!) aufgefundenen Sonnenuhr aufgreifen, aber auch den Zusammenhang mit dem Mausoleum und dem Forum Augusti thematisieren. Als einzige Ergänzung enthält der Vorschlag die Analemma. Sie soll das antike Thema um das Erleben der Leistungsfähigkeit von Sonnenuhren und um ein auf die Mittagsstunde ausgerichtetes „Ereignis“ erweitern (etwa mit Fokussierung durch eine sich öffnende Lochblende). Davon versprechen wir uns einen nachhaltigen Aha-Effekt bei Stadtführungen, der sich durch die Darstellung der Bezüge vertiefen lässt.

Die Beschränkung auf ein übersichtliches Liniensystem erleichtert zudem die Planung einer leuchtenden Nachtmarkierung der Linien. Diese Idee wird besonders begrüßt.

Wir verweisen dazu auf die von uns vorgelegte Graphik, die auf die reichen historischen, architektonischen und technischen Bezüge verweist und dies für das Stadtmarketing fruchtbar machen will.

 

  • Wir halten es für richtig, wegen dieser Bezüge das Liniensystem auf die antiken Vorbilder zu beschränken, damit den lokalen Geist des Ortes aufzugreifen und dies bei Führungen oder im Inforaum in der Stadt-Loggia für das Stadtmarketing zu nutzen.

 

II. Dimensionierung von Liniensystem und Gnomon

Nachdem die Stadtloggia 7.25 Meter hoch ist, dominiert der Schatten der Loggia bereits auf einem Teil des Platzes. Um das Liniensystem der Sonnenuhr davon abzuheben, sollte der Gnomon deutlich größer sein, damit er vom Gebäudeschatten optisch getrennt ist. Im übrigen gibt es kleinere Sonnenuhren in großer Anzahl. Bei einer bloßen Kopie solcher Installationen besteht daher die Gefahr, dass die Stadt Aschaffenburg die Chance einer großartigen Besonderheit und damit die erwünschte Wirkung der Investition verschenkt.

Die Genauigkeit einer Sonnenuhr hängt von vielen Details ab. Wir sind nicht der Meinung dass man eine Präzisionsuhr aufstellen sollte. Mit dem vorgeschlagenen Liniensystem kommt es mehr auf den Gesamteindruck der Anlage an. Dies wurde am „Tag der offenen Tür“ überzeugend gezeigt.

Trotzdem ist bei unserer Konzeption in der Zeit von Februar bis November durch die scharfe Abbildung der Gnomonkugel eine hohe Genauigkeit vorhanden. In den Monaten mit einer geringen Sonnensscheindauer – Dezember und Januar – wird die Schattenlänge relativ lang (über 34 Meter) und das Ablesen wird zugegebener Maßen etwas ungenau. Das kann in Kauf genommen werden, denn als Touristenattraktion wird die Sonnenuhr vor allem in den Sommermonaten besucht. Dann ist der Schattenwurf der Gnomonkugel einwandfrei.

 

  • Die Sonnenuhr sollte so groß wie möglich dimensioniert werden, um Konkurrenz mit dem Schatten der Stadtloggia zu vermeiden. Zudem sollte dies Aschaffenburg ein Maß an Originalität und Einzigartigkeit sichern, das sich im Wettbewerb der_Kommunen vermarkten lässt.

 

III. Präzision der Zeitablesung und Ereignischarakter

Eine Präzision der Zeitablesung liegt in der Darstellung der Analemma, die eine exakte Zeitbestimmung ermöglicht. Dies ist eine Herausforderung an Techniker und Ingenieure und kein astronomisches Problem, eine entsprechende Anzeige dafür zu bauen. Unser Vorschlag ist eine Lochblende, die akkurat um 12 Uhr MEZ die Analemma trifft. Eine innovative Lösung für diese Aufgabe wäre ein weiteres Highlight, für jeden Bürger interessant und manche Stadtführung hätte einen zusätzlichen, zeitlich fixierten Höhepunkt. Die Spannung kann – wie bei den bewegten Glockenspielen anderer deutscher Städte – zum von Interessenten erwarteten Ereignis werden, wenn sich etwa minus/plus 5 Minuten vor 12 Uhr die Kugel mechanisch öffnet und die Lochblende in Funktion setzt.

 

  • Für den Gnomon sollte eine mechanische Lösung gefunden werden, die die präzise Zeitablesung an der Analemma als Mittagsereignis inszeniert.
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